Chemo auf dem Sterbebett?

Rechtsbeziehung Patient – Therapeut / Krankenhaus / Pflegeeinrichtung, Patientenselbstbestimmung, Heilkunde (z.B. Sterbehilfe usw.), Patienten-Datenschutz (Schweigepflicht), Krankendokumentation, Haftung (z.B. bei Pflichtwidrigkeiten), Betreuungs- und Unterbringungsrecht

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Chemo auf dem Sterbebett?

Beitrag von Presse » 18.10.2010, 08:21

Chemo auf dem Sterbebett?
Von Rosemarie Stein - TAGESSPIEGEL 15.10.10

Krebskongress: Worauf es bei der Medizin in der letzten Lebensphase ankommt
Neigt sich das Leben eines Kranken mit fortgeschrittenem Krebsleiden dem Ende zu, dann gibt es für Patient und Arzt im Prinzip zwei Möglichkeiten: Fortsetzung einer oft sehr belastenden Chemotherapie trotz geringster Aussichten auf Lebensverlängerung oder aber Leidenslinderung mit dem Ziel einer möglichst beschwerdearmen, friedlichen letzten Lebenszeit.
..... mehr)
http://www.tagesspiegel.de/wissen/chemo ... 57364.html

Karl Büser
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Chemo auf dem Sterbebett?

Beitrag von Karl Büser » 18.10.2010, 08:36

Presse hat geschrieben:Chemo auf dem Sterbebett? ....
Zu diesem Thema habe ich eine Leidensgeschichte in Erinnerung, die exakt zum Titel passt:
Obwohl ein an Darmkrebs leidender Patient mit Metastasen im Kopf eigentlich die Wahrheit über das bevorstehende Ende und menschliche Zuwendung (Hospizdienst etc.) benötigte, wurden ihm noch mit allerlei wahrheitswidrigen Argumenten Chemotherapien und Bestrahlungen aufgedrängt. Er war übrigens Privatpatient und beihilfeberechtigt.
Man darf fragen, ob es hier um das Patientenwohl oder um Kassemachen ging? Auf jeden Fall blieb die Menschenwürde auf der Strecke!

Karl Büser
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Aktionismus am Sterbebett unterlassen

Beitrag von PflegeCologne » 20.10.2010, 07:34

Hallo,
ist geht m.E. nicht nur um Chemo am Sterbebett. Auch anderer unnötiger Aktionismus, Diagnostik, Medikamente usw., könnten genannt werden. Im Sterbeprozess muss es entscheidend auf die menschliche Zuwendung und Schmerzlinderung ankommen. Alles andere kann kontraproduktiv, fehlerhaft, sein.
MfG Pflege Cologne
Alzheimer - eine Krankheit, die mehr Aufmerksamkeit erfordert! - Pflegesystem muss dem angepasst werden, auch, wenn es teurer wird! - Ich bin dabei:
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

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Aufklärung - Wahrheit auch am Lebensende

Beitrag von Cicero » 24.10.2010, 08:32

Aufklärung - Wahrheit auch am Lebensende

In den Beziehungen zwischen Ärzten und Patienten muss die Wahrheit dominieren. Aufklärungsgespräche müssen auch bei unguten Botschaften an diesem Prinzip ausgerichtet werden. Leider gibt es offensichtlich immer noch zu oft die Situationen, dass die wirklich entscheidendenn Botschaften, z.B. über eine unheilbare Krankheit oder den bevorstehenden Sterbeprozess, den Patienten vorenthalten bleiben. Wenn auch in manchen Situationen mit der gebotenen Rücksichtnahme aufzuklären ist, die Wahrheit muss im Kern rüber kommen.
Auf keinen Fall ist vertretbar, dass die Wahrheit vorenthalten wird und stattdessen ein vielleicht nicht mehr indizierter therapeutischer Aktionismus in Gang kommt, z.B. mittels Chemo, Strahlen.

Cicero
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Im Gleichklang: Frieden - Ausgleich - Demokratie - und: "Die Menschenwürde ist unantastbar"!

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Patienten immer die Wahrheit sagen

Beitrag von Marlene Böttinger » 25.10.2010, 06:57

Hi,

auch hier ein kleiner Beitrag von mir:
Ich sehe das Erfordernis, den Grundsatz der Wahrhaftigkeit stärker in die Arzt-Patienten-Beziehungen einzubinden. Es besteht kein Grund dazu, Patienten in schwierigen Situationen, auch bei einer Diagnose, die das Sterben andeutet, mit Halbwahrheiten und anderen schonenden Informationen auszustatten. Patienten sollen / müssen wissen, wohin die "Reise" geht. Möglicherweise wollen sie den Abschied gestalten, noch Regelungen treffen.
Besonders abwegig sind für mich diagnostische und therapeutische Angebote, die nicht mehr indiziert sind, nur Aktionismus vortäuschen. Dazu gehören sicherlich auch viele Chemo- und Strahlenbehandlungen.
Ich denke, insoweit muss es ein Umdenken geben.

Grüße Marlene
Pflege braucht Zuwendungszeit!

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Chemo auf dem Sterbebett? Nein !

Beitrag von Gerhard Schenker » 28.10.2010, 07:37

Presse hat geschrieben: ..... Neigt sich das Leben eines Kranken mit fortgeschrittenem Krebsleiden dem Ende zu, dann gibt es für Patient und Arzt im Prinzip zwei Möglichkeiten: Fortsetzung einer oft sehr belastenden Chemotherapie trotz geringster Aussichten auf Lebensverlängerung oder aber Leidenslinderung mit dem Ziel einer möglichst beschwerdearmen, friedlichen letzten Lebenszeit. ....
Am Lebensende darf nur die eingreifende Therapie durchgeführt werden, die zumindest geringe Aussichten auf Erfolg hat. Therapien, z.B. Chemo, nur als Aktionsmus, sind klar abzulehnen. Leidenslinderung, Schmerztherapie, Beistand usw. sind dann angesagt und sonst nichts.

G.Sch.
Das Pflegesystem bedarf einer umfassenden Reform - Pflegebegriff erneuern und Finanzierung zukunftsfest machen!

Lutz Barth
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Nicht um jeden Preis leiden ...und im Zweifel

Beitrag von Lutz Barth » 28.10.2010, 10:38

bei einem nachhaltigen Sterbewunsch des Schwersterkrankten und Sterbenden ggf. die Suizidbeihilfe durch einen hinreichend qualifizierten Arzt!

Es gilt die Maxime: Nicht um jeden Preis "leiden" und "erdulden" - auch nicht um der Philosophie und bereichsspezifischen Ethik der Palliativmedizin willen.

Lutz Barth

Aktion "Offener Brief"

Mehr dazu erfahren Sie auf dem nachfolgenden Link.
>>> http://www.iqb-info.de/offener_brief.htm <<<
Wir vertreten nicht immer die herrschende Lehre!

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Chemotherapie bis zuletzt? ....

Beitrag von Service » 31.10.2010, 08:14

Aus Forum:
viewtopic.php?p=55654#55654

Schaltet mich ab! - Prozess gegen Krebsärztin Bach - Chemotherapie bis zuletzt? - DGHS

1. Die im Film „Schaltet mich ab“ dokumentierte Klinikpraxis wird widersprüchlich bewertet

Der WDR-Film „Schaltet mich ab“ erhält den Film-und Fernsehpreis des Hartmannbundes (Ärzteverband). http://www.finanznachrichten.de/nachric ... 10-007.htm

Der 30minütige Film dokumentiert, wie Klinikärzte dem mehrfach gewünschten Beatmungsabbruch bei einer schwerst lungenkranken Patientin mit Zögerlichkeit, Ethikkonzil und schließlich überwiegenden Zweifeln begegnen. Diese Reaktionen stellt der Film als Ausdruck hoher ärztlicher Ethik im klinischen Alltag des St. Marienhospitals dar. Die letzten Lebensmonate der alleinstehenden Rosemarie Löw, die mit Mühe äußert, dass sie "einfach nicht mehr kann“, werden wie auch die nachdenklichen Gespräche ihrer Ärzte über einen längeren Zeitraum dokumentiert.

Einen Link zum Ansehen des Films (und eine eher kritischen Bewertung) finden Sie hier auf dieser Seite: http://www.patientenverfuegung.de/humanes-sterben

2. Chemotherapie auf dem Sterbebett – weiterhin verbreitet?

„Neigt sich das Leben eines Kranken mit fortgeschrittenem Krebsleiden dem Ende zu, dann gibt es für Patient und Arzt im Prinzip zwei Möglichkeiten … Um diese schwierige Entscheidung ging es auf der Jahrestagung der deutschen, österreichischen und schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie in Berlin….Mehr in Quelle: www.tagesspiegel.de/chemo-auf-dem-sterbebett

Debatte dazu im Forum Werner Schell: viewtopic.php?t=14955

3. Aktuelles vom Prozess: Muss das Rechtssystem im Fall der Ärztin Mechthild Bach versagen?

Muss das Rechtssystem bei der Grenzziehung zwischen gebotener „indirekter“ Sterbehilfe und gezielter Tötung bzw. Totschlag versagen? Kann es die innere ärztliche Absicht als entscheidendes Kriterium überhaupt erkunden? Im Prozess am Landgericht Hannover streiten sich die Gutachter nunmehr bereits seit Jahren um die richtige Dosierung von Schmerzmitteln. Ein Prozessende ist nicht absehbar (ein Urteil ist für 2012 vorgesehen – Ermittlungen gegen die Krebsärztin begannen bereits 2003).

Wenn Idealisierungen auf Praxis treffen
Palliativmedizinische Lehrbuchmeinungen, deren Ideal die strikte Ablehnung der sogenannten „aktiven Sterbehilfe“ darstellt, treffen dabei auf eine Praxis, die es nicht mit Lehrbuchpatienten und nicht mit medizinethisch klaren Entscheidungskonflikten zu tun hat. Denn die Patienten, die sich an die Krebsärztin Mechthild Bach wandten, das ergaben die Verhandlungstage in diesem Monat, waren nicht nur schwer krank, sondern auch höchst eigenwillige Charaktere. Die Krebsärztin war offenbar bekannt für ihre besondere Fürsorge, Einfühlung, Spiritualität und auch ihre alternativen Heilmethoden …

„Mechthild Bach steht seit einem Jahr erneut vor Gericht und muss sich wegen Totschlags in 13 Fällen verantworten. Doch anders als im ersten Prozess, der aufgrund der Erkrankung des Richters abgebrochen werden musste, ist die ehemalige Krebsärztin nun bereit, sich gegen die Vorwürfe zu wehren. "Jeder Mensch hat ein Recht darauf, ohne Schmerzen und angstfrei zu sterben", sagt sie. Diesem Verhaltenskodex habe sie sich als Ärztin verpflichtet gefühlt. Mit aktiver Sterbehilfe habe das nichts zu tun. Sie spricht sehr leise und immer wieder hält sie inne, weil ihr die Stimme stockt. "Die Tötung eines Patienten schließt sich für mich als Ärztin aus", so ihre wiederholte Aussage vor Gericht.

… in diesem Prozess trifft eine medizinische Lehrbuchmeinung, vertreten durch die Gutachter der Staatsanwaltschaft, auf das klinisch Machbare der Realität. "Das hätten Sie wissen müssen. Das ist medizinisches Grundwissen, jedem Studenten aus dem Lehrbuch bekannt", wirft der Gutachter vom Medizinischen Dienst Manfred Schwartau der Ärztin mehrfach vor …

Mechthild B. behandelte eigenwillige Charaktere
Doch Lehrbuchdiagnosen erfordern Lehrbuchpatienten. In vier von fünf Fällen, die bislang verhandelt wurden, hat sich jedoch gezeigt, dass es sich um Patienten mit sehr eigenwilligem Charakter handelte. Und alle waren schwer krank. Wolfgang S. hatte Speiseröhrenkrebs im Endstadium als er überhaupt zum ersten Mal einen Arzt aufsuchte. Seine Schmerzen hatte er wochenlang selbst behandelt, indem er heimlich den Medikamentenvorrat seiner Ehefrau aufbrauchte. Leonid K. war an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt. Über Schmerzen hat der Russe nie gesprochen und auch nicht über seinen nahenden Tod. "Darüber redet man in unserem Land nicht", sagte sein Sohn vor Gericht, "gespürt, dass der Vater stirbt, habe ich dennoch". …"

Weiter siehe Quelle: http://www.ndr.de/regional/niedersachse ... ebsaerztin

Auch in einem Stuttgarter Prozess gegen einen Arzt http://www.sueddeutsche.de/i5I38E/36786 ... hilfe.html , dem strafbare Sterbehilfe bei seiner 92jährigen Tante vorgeworfen wird, geht es um die Frage der Dosierung von Morphium und um seine Absicht:

4.) Was tun oder wollen derzeit Sterbehilfeorganisationen in Deutschland?

Am 2. November wird zum dritten Mal der Internationale Tag des Rechts auf würdiges Sterben begangen. Dazu sollte auf einen wichtigen Meilenstein hingewiesen werden:

Eine staatsanwaltschaftliche Einstellungsverfügung vom 30.7.2010 der Staatsanwaltschaft München (in einem Fall, der juristisch von RA Putz begleitet wurde) ergab: Suizidhilfe und -begleitung wird in Deutschland nicht strafrechtlich verfolgt, wenn an der freien Willensfähigkeit der Verstorbenen keine Zweifel bestehen. Näheres siehe (etwa in der Mitte der Seite von): http://www.patientenverfuegung.de/humanes-sterben

Bisher sieht es so aus, als wenn dieser "Präzedenzfall" einer durchgeführten und anschließend der Polizei selbst gemeldeten Suizidhilfe im häuslichen Bereich von Sterbehilfeorganisationen nicht hinreichend zur Kenntnis genommen wurde.

Was will eigentlich die DGHS erreichen? Und was macht der Verein SterbeHilfe Deutschland von Kusch?
Aktuelle Zusammenfassung hier
http://www.patientenverfuegung.de/info- ... eutschland

5. Dank von tettricks, der Internet-Selbsthilfeseite nach erworbener Hirnschädigung (für Patienten, Angehörige und Profis).

Der Betreiber Georg Claus, selbst „Betroffener“, freut sich über die vermehrte Aufmerksamkeit und die sehr positiven Einträge in sein Gästebuch. http://www.tettricks.de/neugaestebuch/index.php

Dabei haben wir zu danken! Jetzt gibt es einen – spendenfinanzierten - tettricks-Flyer kostenfrei zu bestellen http://www.tettricks.de/service/flyer/index.php , um noch mehr verzweifelte und ratsuchende Menschen auf diese einmalige Hilfe mit unzähligen wertvollen Hinweisen aufmerksam zu machen zu können. Unbedingt die Seite einmal besuchen!

Quelle: Mitteilung vom 30.102.2010
http://www.patientenverfuegung.de

Bettina Olbing
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Wahrheit am Sterbebett oder nur Aktionismus ?

Beitrag von Bettina Olbing » 01.11.2010, 09:20

Wahrheit am Sterbebett oder nur Aktionismus ?

Zu diesem Thema sind mir auch einige Krankengeschichten bekannt, die aufzeigen, dass es mit der Wahrheit am Kranken- bzw. Sterbebett nicht weit her ist. Nicht selten werden in solchen Situationen noch diagnostische und therapeutische Verfahren eingesetzt, obwohl sie keinen Sinn mehr machen. Bei solchen Aktivitäten werden dann suggeriert, es sei noch alles möglich.
Es ist endlich an der Zeit, die Begrenztheit des Lebens zu erkennen und auch in entsprechenden Situationen die Wahrheit nicht zurückzuhalten. Sterben ist ein Teil des Lebens, es muss menschenwürdig gestaltet werden. Wahrheit und Zuwendung sind m.E. zwingend geboten!

LB Grüße Bettina Olbing
Pro Pflege - was denn sonst!

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